Verflochtene Geschichten – Biografiarbeit im Spannungsfeld gesellschaftspolitischer/politischer Konfliktlagen

Verflochtene Geschichten – Biografiarbeit im Spannungsfeld gesellschaftspolitischer/politischer Konfliktlagen
3-tägiges Seminar
mit Herta Schindler (Kassel)
16.-18. November 2017

Biografische Geschichten sind verflochtene Geschichten. Dieser Begriff ist der Konzeption von Edward  Said entlehnt, die sich auf „sich überlappende Territorien zwischen Empire und Kolonialländern und der von ihm entwickelten Methode kontrapunktischen Lesens imperialer Texte“ bezieht. (Becker).
Vielfältige Wirkungsebenen – in der Literatur sagt man Erzählstränge – fließen in jeder Lebensgeschichte zusammen: konstitutionelle, geschlechtsbezogene, familiengeschichtliche, zeitgeschichtliche, politische, wirtschaftliche, kulturelle Aspekte bilden ein „Erlebnisknäuel“, mit dem Interessierte zur Biografiearbeit kommen. Entlang jedem dieser ins Knäuel verwobenen Fäden kann ein Mensch seine Biografie entwickeln. Auch wenn zu Beginn in der  Regel der Hauptfokus der biografischen Durchdringung durch einen oder einige der genannten Aspekte gebildet werden (die sich wiederum aus der Biografie der Person herleiten lassen), sind die anderen doch immer als Hintergrund vorhanden und werden als Bedingung für die Hauptaspekte sichtbar.
Gesellschaftspolitische Konfliktlagen tauchen demzufolge in der Biografiearbeit sowohl als Hauptthema als auch als Hintergrundthema auf. Sie müssen zuverlässig mitgedacht und berücksichtigt werden. Denn gesellschaftspolitische Konfliktladungen und Entwicklungen wirken massiv auf Lebenswege ein, verändern Lebensläufe erheblich und erfordern weitreichende Konsequenzen.
Die Einordnung individueller Erfahrungen in diesen Hintergrund mit dem Abstand von Jahren und Jahrzehnten führen zu einem vertieften Verstehen von eigenen Lebensentscheidungen und Lebensbedingungen. Not und Gewalt, Sieg und Niederlage, Veränderung und Erneuerung werden Teil einer gemeinsamen Historie.

Seminar-Inhalte: Die Bedeutung historischer Kenntnisse und Recherche in der Biografiearbeit, politisch-gesellschaftliche Dimensionen in der individuellen Biografie, transkulturelle Aspekte. Umgang mit traumatischen Erfahrungen und Grenzen des biografischen Arbeitens. Der gute Abschluss biografischer Projekte.

Referentin: Herta Schindler (Kassel)

Zielgruppe: Das Seminar richtet sich an Interessierte aus psychotherapeutischen, psychosozialen und heilkundlichen Arbeitsbereichen, die in ihrer Arbeit mit Lebensgeschichten von Menschen beschäftigt sind. Es richtet sich auch an jene, die sich mit ihrer eigenen Biografie oder Familiengeschichte auseinandersetzen wollen.

Ort: Fabrik Chasalla, Sickingenstraße 10b, 34117 Kassel

Kosten: 330 Euro

Anmeldung zum Seminar „Verflochtene Geschichten – Biografiearbeit im Spannungsfeld gesellschaftlicher/politischer Konfliktlagen“

Das Seminar ist auch Teil der Weiterbildung „Biografiearbeit unter systemischer Perspektive“.